„Bei der Schacholympiade für Deutschland spielen, das wäre ein Traum“: Luis Engel im Gespräch
Zuletzt 2019 war Luis Engel zum Schachspielen am Tegernsee, damals als eines der beiden überragenden Talente des deutschen Schachs – und als jemand, der Schach liebt, aber dem Sport nicht sein Leben widmen will. Inzwischen ist Luis Engel 23, hat sein Jurastudium fast abgeschlossen, das erste Examen geschrieben. Jetzt nimmt er sich ein Jahr Zeit, um wieder ernsthaft Schach zu spielen. Der Deutsche Meister von 2020 und Sieger des German Masters 2021 spricht über den Neustart am Brett, die Balance zwischen Kanzlei und Turniersaal und darüber, warum der Tegernsee für ihn der perfekte Ort für sein Schachjahr 2025/26 ist.
Wir haben das Gespräch nach der ersten Runde geführt:
Luis, nach der OIBM 2019 wieder am Tegernsee! Warum die lange Pause, und was führt dich diesmal her?
Es hat sich seit 2019 einfach nicht ergeben. In den vergangenen Jahren war ich stark mit meinem Jurastudium beschäftigt und hatte wenig Zeit für Turniere – meist nur zwei oder drei pro Jahr. Im Februar habe ich mein erstes Examen geschrieben und mir danach ein Jahr genommen, um wieder mehr Schach zu spielen. Ich möchte sehen, wie weit ich noch komme. Jetzt habe ich endlich die Zeit für ein Turnier wie dieses, das mit An- und Abreise gut zehn Tage dauert. Von 2019 bringe ich schöne Erinnerungen mit: ein starkes Turnier in einer wunderbaren Umgebung. Außerdem studiert meine Freundin in München. Sie war gestern schon da, wir können uns gegenseitig besuchen. Diesmal passt alles zusammen.
Wie nutzt du die Freizeit hier?
Wenn das Wetter gut ist, laufe ich gerne um den Tegernsee. Ich laufe generell gern, und hier ist die Gegend einfach traumhaft dafür. Aber ich achte natürlich darauf, dass es nicht zu anstrengend wird. Ich will ja nicht erschöpft ans Brett kommen. Außerdem werde ich das gute Essen genießen, das gehört hier dazu.
Du hast gerade in Amsterdam ein Turnier gewonnen.
Ja, das Amsterdam-Open. Ich war zwar nominell Favorit, aber das allein gewinnt noch kein Turnier. Es ist dann wirklich gut gelaufen – Motivation für das Turnier hier.
Spielst du jetzt ein Jahr lang ausschließlich Schach?
Nein, ich arbeite zwei Tage pro Woche in einer Kanzlei als wissenschaftlicher Mitarbeiter. Mir bleibt auf diese Weise genug Zeit fürs Schach, und noch dazu kann ich dank meines regelmäßigen Einkommens ohne Druck spielen.
Was macht der wissenschaftliche Mitarbeiter Luis Engel?
Ich unterstütze Anwälte bei der Recherche, arbeite mich in Fälle ein, schreibe Textteile für Schriftsätze und begleite Mandate. Das ist ziemlich vielseitig. Mir gefällt es sehr.
Und langfristig? Rechtsanwalt Luis Engel?
Gut möglich. Nach diesem Schachjahr steht erst einmal das zweijährige Referendariat an. Dann kann ich als Anwalt oder Richter arbeiten. Wahrscheinlich starte ich erst einmal als Anwalt, so wie die meisten. Aber ich halte mir alles offen.
Trotz deines riesigen Schachtalents hast du dich früh entschieden, Jura zu studieren. Gute Entscheidung?
Ich bin sehr zufrieden damit. Ganz auf Schach zu setzen, wäre nichts für mich. Das Jurastudium erfüllt mich, und Schach bleibt ein wichtiger Teil meines Lebens – aber eher als leidenschaftliches Hobby. Ich spiele weiterhin Bundesliga und ein paar Turniere im Jahr. Diese Kombination macht mich glücklich.
Und im Schach willst du sehen, wie weit du noch kommst. Gibt es konkrete Ziele?
Im Grunde habe ich alles erreicht, was ich mir vorgenommen hatte. Ein Traum wäre, einmal bei der Schacholympiade für Deutschland zu spielen. Aber die Konkurrenz in der Nationalmannschaft ist so stark wie nie, und fast alle vor mir sind Profis. Realistisch wäre für mich, die 2600 Elo-Marke zu knacken – da fehlt nicht mehr viel. Ich bin gerade bei 2567, das ist mein Allzeithoch.
Mit dem Amsterdam-Sieg im Rücken gehörst du hier am Tegernsee zu den Favoriten. Was nimmst du dir vor?
Ich bin an vier gesetzt – klar, da will man vorne landen. Aber bei so einem starken Feld kann viel passieren. Vor allem will ich gute Partien spielen und Spaß haben.
Die schöne Kombi in der ersten Runde hat dir wahrscheinlich Spaß gemacht.
Stimmt. So kann es gerne weitergehen.

Luis Engels taktisches Finale in der ersten Runde: 23.Sxh7! war nur der Auftakt. Engel hatte berechnet, dass nach 23…Kxh7 24.Lxg6+! Kh8 (sonst wird es matt) 25.Lxe8 Lxe8 26.Lxc3 Dxc3 die Pointe 27.h7 eine Figur gewinnt. Der angegriffene Springer auf g8 hat keine Felder mehr, nur deswegen funktioniert die Kombi.




