Die „Schwester von“

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Von Yvonne Malinowsky

„Bist du eigentlich die Schwester von Levi?“
Und: „Bist du auch so stark wie dein großer Bruder?“

Diese Frage, halb neugierig, halb erwartungsvoll, fällt hier auf der OIBM erstaunlich oft.
Und jedes Mal fragt man sich: Welche Antwort ist denn jetzt die richtige?

Von Levi hat man zumindest in Schleswig-Holstein schon gehört: der Junge mit der Elo, dem frischen FM-Titel, den Erfolgen.
Aber Celina? Wer ist eigentlich Celina?

Teilen Leidenschaft und Siege, fiebern mit dem anderen mit: Celina und Levi Malinowsky. | Foto: Yvonne Malinowsky

Nun, Celina ist Levis Schwester.
Aber eben nicht nur das.

Denn was viele Geschwisterkinder kennen, kennt auch sie:
Auf den ersten Blick steht man im Schatten des Bruders oder der Schwester, allerdings nur, weil andere die Scheinwerfer auf sie ausrichten.
Alle schauen zur Sonne, kaum einer bemerkt den Mond.
Obwohl er die ganze Nacht für uns da ist.

Alle schauen zur Sonne, kaum einer bemerkt den Mond. | Foto: Yvonne Malinowsky

Wir setzen Maßstäbe nach dem, was wir zuerst sehen, oft die falschen.
Und so entstehen Vergleiche, Urteile, Erwartungen.
Viele Erwachsene sagen später, sie hätten darunter gelitten: unter dem vermeintlich „schlauen Bruder“ oder der überschätzen „begabten Schwester“.

Celina?
Sie war von Anfang an Levis größter Fan, seine Supporterin seit Tag eins.
Ja, richtig gelesen, seit seiner Geburt.
Denn obwohl sie inzwischen „die kleine Schwester“ ist, ist sie tatsächlich die Ältere.

Celina ist die, die Pläne zurückstellt, wenn wieder „eine wichtige Partie“ ansteht.
Die akzeptiert, dass Urlaube sich nach Turnieren richten.
Die am Bildschirm mitfiebert, wenn Levi bei Jugend-WM, Deutscher Meisterschaft oder Open spielt.

Und sie ist auch die, die während Levi seine Titel zum CM und FM machte, ganz nebenbei ihr Abitur schaffte, studierte und letzten Monat ihren Bachelor of Science ablegte.

Halbmarathon vor dem Frühstück? Klar, kein Ding. | Foto: Yvonne Malinowsky

Celina war früher ebenfalls Kaderspielerin, allerdings im Fußball.
Heute ist sie am liebsten wandernd oder laufend unterwegs.
100 Kilometer in 24 Stunden am Stück?
Kein Problem, sie zieht dich durchs Dunkel, gibt nicht auf, während diesmal Levi zuhause auf Instagram mitfiebert.
Schaffen sie es? Halten sie durch ?
Und ja, mit Celina an der Seite schafft man es.

Halbmarathon? Klar.
Marathon? Wird schon klappen.

Sie nimmt sich selbst dabei so herrlich uneitel auf die Schippe, dass selbst Levi beim Chessbase-Training lachen muss.
Vor einer Partie zählt bei ihr das gut sitzende Outfit und die liebevoll gepackte Brotdose.
„Muss reichen“, sagt sie dann lachend.

Ernährungspläne? Trainingsstrategien?
Kennt sie. Liest sie gern. Ignoriert sie charmant.
Ein Latte Macchiato und ein Keks vor dem Lauf, auch das reicht, wenn man Humor hat.

Dieses Jahr spielt Celina erstmals selbst bei der OIBM.

Mit Brotdose, Lächeln und Lust auf den Tag.

Sie genießt das Turnier, den See, den Käfer-Shop (ja, den mit den Souvenirs!) und verbindet Schach mit Urlaub.

Neid und Missgunst bei den beiden? Fehlanzeige.
Sie teilen ihre Leidenschaft und ihre Siege:
Viermal in Folge sind sie nun Landesfamilienmeister in Schleswig-Holstein.

Und wie es sich für echte Champions gehört,
gibt’s auch ein Sieger-Ritual:
Ein Kinder-Joy-Ei wird feierlich verspeist.

Der Preis für Champions. | Foto: Yvonne Malinowsky

Nur nach einem Sieg, versteht sich, denn ohne Ziele ist das Leben nur ein Remis.

Und wer jetzt immer noch denkt, er spiele „gegen Levis kleine Schwester“, sollte wissen:

Er spielt gegen eine Wirtschaftsinformatikerin, die, wie gestern Morgen zum Beispiel, bereits vor dem Frühstück, einen Halbmarathon um den Tegernsee gelaufen ist, ihre Partie vorbereitet hat und jetzt, mit etwas mehr Zeit nach dem Studium, auf Titeljagd gehen wird.

„WCM…., sie wird kommen, irgendwann, ganz ganz bestimmt……“