Dominik Horvath: Großmeister mit Doppelleben

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Zum ersten Mal nimmt Dominik Horvath an den Offenen Internationalen Bayerischen Meisterschaften teil – und war selbst überrascht, dass es noch geklappt hat. Der 22-jährige Großmeister aus Österreich, frischgebackener Staatsmeister und Jurastudent in Wien, hat sich kurzfristig entschieden, an den Tegernsee zu reisen. „Ich wusste bis zuletzt nicht, ob ich eine Prüfung habe“, erzählt er. Jetzt genießt er die Atmosphäre am See, das starke Feld und die besondere Stimmung des Turniers. Zwischen Vorlesungen und Partien sucht Horvath die Balance – und findet am Tegernsee, was ihm am meisten bedeutet: Zeit für Schach aus purer Leidenschaft.

Das Gespräch haben wir vor der ersten Runde geführt:

Dominik, zum ersten Mal OIBM. Willkommen am Tegernsee! Was führt dich her?

Ja, genau, meine erste Teilnahme, ganz kurzfristig. Ich studiere Rechtswissenschaften in Österreich und wusste deshalb bis zuletzt nicht, ob ich während des Turniers eine Prüfung habe. Deshalb konnte ich mich nicht schon im Sommer anmelden. Umso dankbarer bin ich den Organisatoren – insbesondere Sebastian Siebrecht, mit dem ich ständig in Kontakt war –, dass es geklappt hat. Ich freue mich extrem, hier zu sein. Dass das Turnier wunderschön ist und stark besetzt, wusste ich ja. Als es dann möglich wurde teilzunehmen, dachte ich mir: Warum nicht?

Du solltest zum Favoritenkreis gehören, aber, du sagtest es selbst, das Turnier ist stark besetzt. Was erwartest du?

Ein Platz unter den Top 3 wäre ein super Ergebnis. Gerade erst bei der Team-EM in Batumi hatte ich ein sehr schlechtes Turnier, 17 Elo verloren, etwas abgerutscht. Hier will ich jetzt mein Bestes geben. Ich freue mich sehr auf den Wettbewerb.

Was war in Batumi los?

Ich war einfach nicht in Form. Es hat nichts funktioniert. Dafür lief der Sommer umso besser – ich bin zum ersten Mal österreichischer Staatsmeister geworden.

Glückwunsch! Auch das ein erste Mal?!

Im Prinzip schon. Im Schnellschach war ich schon Staatsmeister, im Standard noch nicht. 2025 hat einfach alles gepasst – Vorbereitung, Form, Motivation.

Du studierst Rechtswissenschaften. Ein zweites Standbein neben dem Schach?

Ja, ich will mir alle Türen offenhalten. Ich bin noch jung, und Jura interessiert mich sehr – vor allem der Beruf des Rechtsanwalts. Ich könnte mir gut vorstellen, eines Tages als Anwalt zu arbeiten. Im Moment führe ich deshalb eine Art Doppelleben: Studium und Schach. Oft ist das schwierig, weil ich Prüfungen habe und nie genau weiß, ob ich ein Turnier spielen kann. Aber im Moment funktioniert es ganz gut.

Wie sieht dein weiteres Jahr aus – beendest du die Schachsaison hier am Tegernsee?

Nach den OIBM kommen vor allem noch die Ligen – die deutsche Bundesliga für MSA Zugzwang und die österreichische für Fürstenfeld. Auf die Rapid- und Blitz-WM am Jahresende werde ich verzichten. Mit ist wichtiger, Zeit mit Freunden und Familie zu verbringen.

Als Bundesligaspieler für einen Münchner Club hat du am Tegernsee quasi ein Heimspiel.

Mein erster Verein in der deutschen Bundesliga war der Münchener Schachclub 1836. Dort habe ich zwei Saisons gespielt, dann bin ich zum MSA Zugzwang gewechselt, wo ich sehr glücklich bin. In meiner ersten Saison sind wir abgestiegen, im vergangenen Jahr wieder aufgestiegen, und jetzt spielen wir wieder erstklassig. Im Team und organisatorisch läuft in München alles super – auch dank unseres Sponsors Roman Krulich.

Für dich ist die Bundesliga wahrscheinlich ein prima Training. Du bist Brett drei gemeldet, wo du regelmäßig sehr starke Gegner bekommst.

Die Bundesliga ist unglaublich stark. Wir als Aufsteiger versuchen einfach mitzuhalten, und ich profitiere auch persönlich von Partien gegen sehr gute Gegner, in denen ich Erfahrung sammeln kann. Aber eigentlich ist mir egal, gegen wen es geht. Ich spiele gerne gegen alle möglichen Gegner – jung, alt, stark, nicht so stark. Vor allem liebe ich es, Schach zu spielen.