Frau, Hund, Schach und Urlaubsgefühl: Patrick Zelbel im Gespräch

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IM Patrick Zelbel erlebt am Tegernsee sein erstes Open seit 2018 – und den Versuch, Urlaub und Schach miteinander zu verbinden. Gemeinsam mit seiner Frau und dem Hund verbringt er eine Woche in den Bergen, tagsüber am Brett, sonst beim Wandern. Seine Schachkarriere sieht Zelbel heute gelassener denn je. Als Spieler des Zweitligisten Mülheim genießt er die ruhigere Saison, als Mitorganisator der Dortmunder Schachtage blickt er auch mit dem Ausrichterauge auf das Turniergeschehen. Am Tegernsee gefällt ihm das „Schach als Auszeit“-Gefühl – ein Kontrast zu Dortmund, wo Präsentation und Publikum stärker im Vordergrund stehen.

Patrick Zelbel. | Foto: Sandra Schmidt

Das Gespräch haben wir nach der sechsten Runde geführt:

Patrick, deine Premiere am Tegernsee. Wie kommt’s?

Meine Frau und ich machen ohnehin gern Urlaub in den Bergen, meistens in Bayern oder Österreich. Diesmal wollten wir im Herbst noch eine Woche wegfahren, und da habe ich sie überzeugt: Lass uns doch zum Tegernsee fahren – da kann ich Schach spielen, und wir machen gleichzeitig Urlaub. Eine schöne Mischung.

Und sie findet’s okay, dass du jeden Nachmittag vier, fünf Stunden am Brett sitzt?

Ja klar, wir haben unseren Hund dabei – das passt.

Dies ist nicht nur deine Premiere am Tegernsee. Es ist auch dein erstes Open seit 2018.

Ja, ich dachte, jetzt ist es mal wieder Zeit. Normalerweise spiele ich in mehreren Ligen – Deutschland, Niederlande, Belgien –, und dieses Jahr kam noch ein geschlossenes Turnier in Holland dazu. Das lief aber nicht besonders gut: Leistung um die 2440, weit weg von einer GM-Norm.

Verfolgst du dieses Ziel noch ernsthaft?

Vorletzte Bundesligasaison habe ich knapp eine GM-Norm verpasst. Vergangenes Jahr war ich ganz nah an 2500 Elo. Ich bin aber nie darüber gekommen, mein Peak war 2494. Inzwischen mache ich mir da keinen Druck mehr, sehe das ganz entspannt.

Mit dem Traditionsclub Mülheim seid ihr aus der Bundesliga abgestiegen.

Wir waren einfach zu schwach aufgestellt, und die Liga ist enorm stark. Ich bin aber gar nicht so traurig darüber, jetzt zweite Liga zu spielen – weniger Reisen, weniger Stress.

Du bist nicht nur Spieler, du bist auch Gesicht der Dortmunder Schachtage. Schaust du hier in Tegernsee mit dem Blick eines Veranstalters?

Natürlich. Wenn man selbst Turniere organisiert, guckt man automatisch, wie andere es machen. Die OIBM ist wunderschön gelegen, das Urlaubsfeeling hier einzigartig. In Dortmund ist der Fokus stärker auf Präsentation des Sports. Wir haben Kommentatoren vor Ort, Screens mit Live-Partien, Interviews nach den Runden, das spielt bei uns eine größere Rolle. Hier am Tegernsee geht’s eher um Atmosphäre und Schach als Auszeit.

Dortmund 2026 findet statt?

Ja, erste Augustwoche. Die Ausschreibung kommt rund um den Jahreswechsel. Teil der Veranstaltung soll neben einem starken A-Open (Sieger 2025 Matthias Blübaum) und dem B-Open wieder ein besonderes Turnier auf der Bühne sein, daran arbeiten wir noch. Wir müssen auch sehen, was finanziell möglich ist.

Hier stehst du bei 4,5 Punkten aus 6 Partien. Zufrieden?

Mit der Qualität meiner Partien bin ich zufrieden. Mit den Ergebnissen nicht ganz. Ein gewonnenes Mittelspiel habe ich in Runde 3 verschenkt, in Runde 5 hatte ich Gewinnchancen gegen Liam Vrolijk, aber habe jeweils nur halbe Punkte geholt. Heute gegen Dominik Horvath war’s ausgeglichen. Das Remis geht in Ordnung.

Was nimmst du dir für die letzten Runden vor?

Für einen Platz ganz oben wird es wohl nicht mehr reichen, da bin ich realistisch. Ich versuche, gutes Schach zu spielen, und dann schauen wir mal, wohin das führt. Vor allem finde ich es schön, wieder ein Open zu spielen.