„Ich will deutlich höher“: OIBM-Sieger Amin Tabatabaei im Gespräch
Auch in der Schlussrunde nicht zu stoppen: Mit 8 Punkten aus 9 Partien hat Amin Tabatabei die Offenen Internationalen Bayerischen Meisterschaften 2025 gewonnen – und ein persönliches Zwischenziel erreicht. Der iranische Großmeister steht jetzt wieder über 2700 Elo. Das freue ihn, sagt er, sieht das Überschreiten dieser symbolischen Marke aber nur als Zwischenschritt.
Nach dem Turniersieg fand Amin Tabatabaei Zeit für ein kurzes Gespräch:
Amin, Glückwunsch zum Sieg. Du bist wahrscheinlich happy.
Ja, sehr. Ich war mit einem halben Punkt eingestiegen, weil ich wegen eines anderen Turniers nicht rechtzeitig hier sein konnte. Danach habe auch 8 Partien 7,5 Punkte geholt – ein fantastisches Ergebnis. Ich bin auch mit der Qualität meiner Partien sehr zufrieden. Alles in allem: Es lief super.
Hättest du nicht stattdessen im World Cup spielen können?
Ich war nicht qualifiziert – weder über das Rating noch über die Asienmeisterschaft. So wie es jetzt gelaufen ist, bin ich froh darüber.
Der halbe Punkt Rückstand zum Start hier war ein Handicap mit Blick auf die Feinwertung.
Ja, aber mein Ziel war gar nicht unbedingt, das Turnier zu gewinnen. Mein Fokus lag darauf, Elo-Punkte zu holen. Und unter diesem Gesichtspunkt war das völlig in Ordnung – und hat ja auch funktioniert.
Also war ein schnelles Remis heute keine Option?
Nein, ich habe sogar eine Zugwiederholung abgelehnt. Wer Rating gewinnen will, kann sich keine Kurzremisen leisten.
Die Partie gestern gegen Luis Engel war sehr beeindruckend.
Ja, das war eine schöne Partie. Mich hat nur etwas gestört, dass es ausgerechnet bei dieser Partie einen Übertragungsfehler gab. Der entscheidende Moment – Springer schlägt auf h6 – wurde falsch dargestellt. Auf Lichess sah es so aus, als hätte ich vorher eine Möglichkeit übersehen, auf h6 zu schlagen, aber das stimmt gar nicht. Das war etwas ärgerlich, aber kein Drama. Die Partie war richtig gut.
Mit dem Sieg in der letzten Runde bist du zurück über 2700 Elo. Wie fühlt sich das an?
Ich war ja schon mal bei 2718, bin dann aber unter 2660 gefallen. Dass ich mich jetzt zurückgekämpft habe, fühlt sich gut an. Ich wusste, dass ich irgendwann wieder über 2700 komme. Aber das ist nicht mein eigentliches Ziel – ich will deutlich höher.
2750 wäre der nächste Schritt.
Das wäre cool, ja.
Wie kam es überhaupt zur Entscheidung, am Tegernsee zu spielen – trotz der Kollision mit dem vorherigen Turnier?
Ich habe das tatsächlich mitten im vorherigen Turnier entschieden. Eigentlich ist es ja nicht ideal, als Topgesetzter in einem offenen Turnier zu spielen, bei dem die meisten Gegner deutlich niedriger eingestuft sind. Vor allem mit Schwarz ist es schwer, Partien zu gewinnen. Aber ich spürte, ich bin in guter Form, hatte Selbstvertrauen und wollte möglichst bald wieder ans Brett. Also habe ich Sebastian Siebrecht kontaktiert, der mir sehr geholfen hat. Ich bin ihm dankbar, dass er mich mit einem halben Punkt in der ersten Runde ins Feld gelassen hat. Ich wusste: Wenn ich gesund ankomme und keine Partie verpasse, wird das gut.
Das war dein erstes Mal am Tegernsee – wie war dein Eindruck?
Wunderschön. Die Aussicht, die Berge, der See – alles ist unglaublich schön. Einziges kleines Problem: Uber funktioniert hier nicht. Aber sonst: perfekter Ort, für Schach, auch für Urlaub.




