Aktuelle Infos und Beiträge zur OIBM

Zum ersten Mal weist die neue FIDE-Liste Leonardo Costa als 2500er aus. Mit Elo 2501 hat der 16-Jährige die erste Anforderung für den Großmeistertitel erfüllt. Jetzt fehlen ihm noch zwei Normen. Am Tegernsee wird er keine schaffen, bestätigte Costa im Gespräch mit Gunny direkt nach seiner Niederlage in der siebten Runde, die ihn die Normchance gekostet hat. Trotzdem war das Supertalent zu einem Gespräch bereit, keine Selbstverständlichkeit. „Ich ärgere mich ein bisschen, aber ich werde noch viele Chancen bekommen“, sagt Costa

Leonardo Costa. | Foto: Sandra Schmidt

Leonardo Costa berichtet von seinem Wechsel zum Bundesligisten Hamburger SK, hebt die Bedeutung der Weissenhaus-Akademie hervor, deren Unterstützung ihm Training und Wettkampf auf höchstem Level ermöglicht und äußert sich zu weiteren Schachplänen in diesem Jahr. In den Weihnachtsferien wird er ein Turnier spielen, das keine Beurlaubung von der Schule erfordert.

Zuletzt in der deutschen und österreichischen Bundesliga habe er stark gespielt, sagt Costa. Mit seiner Leistung am Tegernsee ist er nicht ganz zufrieden, merkt aber an, dass er gesundheitlich nicht voll auf der Höhe ist. Auch wenn es bei der 27. OIBM nicht für eine Norm reichen wird: Mittelfristig ist der GM-Titel und eine Elo über 2600 das Ziel.

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Ein tief berechnetes Opfer inklusive temporärem Damenopfer, das in letzter Konsequenz zu einem fast gewonnenen Endspiel führt. Lukas-Benedikt Merenda hat allen Grund, auf seine Siebtrundenpartie stolz zu sein – auch wenn das, was er ausgerechnet hatte, nicht aufs Brett kam, weil sich der Gegner vorher mattsetzen ließ. Wir zeigen die Partie heute inklusive der tiefen Gewinnvariante.

Vorher die Partie von Christian Friedrich Köhler, ebenfalls gespielt in der siebten Runde, in der sich Köhler erst strategischen Vorteil erspielt und diesen dann mit einer Folge taktischer Schüsse verwertet. Sehenswert.

Christian Friedrich Köhler. | Foto: Sandra Schmidt

Die Partie von Lukas-Benedikt Merenda:

Lukas-Benedikt Merenda. | Foto: Sandra Schmidt

We’re featuring another insightful submission from German FM Rick Frischmann, this time his 7th round win over former Bundesliga player Ulrich Markmann. Frischmann, playing White, opted for 1.e4 and maneuvered through the Sicilian Alapin (B22). His commentary illuminates each twist and tactical nuance, including a cute rook sacrifice, soon leading to Black’s resignation.

Rick Frischmann. | Foto: Sandra Schmidt

Die Abtauschvariante der Französischen Verteidigung zu spielen, sei eine Schande, sagte einst Michail Tal. Die größten Französisch-Fachleute vergangener Dekaden, Viktor Kortschnoi und Wolfgang Uhlmann, nahmen die Abtauschvariante nicht ernst. Kortschnoi pflegte gar, böse Blicke übers Brett zu senden, sobald Weiß 3.exd5 spielte. Und es sieht ja auch aus, als verzichte Weiß per Abtauschvariante freiwillig auf zwei Vorteile, die Schwarz einräumt: Den potenziellen Raumvorteil und das Spiel gegen den „schlechten“ französischen Läufer.

Andererseits hat Weiß im vierten Zug ein Tempo zur Verfügung, mit dem er das Geschehen in die gewünschte Richtung steuern kann. Und diese Richtung lautet in aller Regel c2-c4 inklusive der Absicht, eine Isolanistellung zu spielen. In einer Zeit, in der sich ohnehin kaum irgendwo Vorteil für Weiß finden lässt, erlebt Französisch-Abtausch mit c4 seit Jahren eine kleine Renaissance.

Patrick Bossinger. | Foto: Sandra Schmidt

Patrick Bossinger vom SV Jedesheim gehört zu denjenigen, die Französisch-Abtausch spielen – und das mit Erfolg. Dass die Damenabgetauscht waren, hielt ihn in der sechste Runde nicht davon ab, eine Qualität für starkes Figurenspiel in Geschäft zu stecken. Wenig später folgte das zweite Qualitätsopfer, da ging es schon um Matt. Am Ende noch ein Turmopfer, das die Partie krönte.

Wenn die Jedesheimer Boys mit von der Partie sind, ist das im Turniersaal kaum zu übersehen. | Foto: Sandra Schmidt

Bossinger gewinnt den Schönheitspreis für diese Partie der sechsten Runde. Er hat sie für das Turnierblog kommentiert:

Wer nach dem Ende der siebten Runde noch nicht seine Siegerwette abgegeben hat, der ist zu spät dran, um den Preis für den richtigen Tipp zu gewinnen. Wer sie abgegeben hat, braucht Glück oder hellseherische Fähigkeiten. Zwei Runden vor Schluss zeichnet sich nicht ab, wer am Ende oben stehen wird.

Die Abgabefrist für die Siegerwette ist mit Ende der siebten Runde abgelaufen. | Foto: Sandra Schmidt

Die alleinige Führung von Dmitrij Kollars währte nur einen Tag. Dem Nationalspieler war sein Kurzremis in der siebten Runde gegen den an zwei gesetzten Eltaj Safarli ein wenig unangenehm. Aber es war eine nachvollziehbare, naheliegende Entscheidung: Schwarz gegen einen starken Großmeister, der per schottischem Vierspringerspiel sogleich andeutete, dass sich seine Ambition an diesem Tag in Grenzen hält. Warum nicht einen quasi freien Tag nehmen, um sich dann mit voller Kraft und zudem mit den weißen Steinen in den Endspurt zu stürzen?

Hallo, Dmitrij: So fing die Partie am ersten Brett an. Fünf Minuten später war sie vorbei. | Foto: Sandra Schmidt

Die Punkteteilung am ersten Brett eröffnete den Verfolgern die Chance, zu Kollars aufzuschließen. Vier haben sie genutzt. Vor der achten Runde führen fünf Großmeister mit jeweils sechs Punkten das Feld an. Dahinter lauert eine Gruppe von 18 Verfolgern mit jeweils 5,5 Punkten.

Als Erster zu Kollars aufgeschlossen hatte der georgische Schnellspieler Giga Quparadze, der am Ende eines taktischen Handgemenges vor einem günstigen Schwerfigurenendspiel mit Mehrbauer und besserer Struktur saß, das er leicht verwertete. Bei den anderen drei dauerte es deutlich länger, und es war neben Kampfgeist Glück erforderlich.

Mit 6/7 Teil des Führungsquintetts: Venkataram Karthik. | Foto: Sandra Schmidt

Venkataraman Karthik hatte sich gegen Leonardo Costa zwar einen Mehrbauern erkämpft, aber sah lange nicht danach aus, als würde sich dieser Mehrbesitz verwerten lassen. Auf der Suche nach Aktivität griff Costa im 53. Zug fehl, lief in einen Konter, und nach 55 Zügen war es schon vorbei. Während Karthik nun ganz oben um den großen Preis mitspielt, bedeutet die Niederlage einen herben Dämpfer für die GM-Norm-Ambition des 16-jährigen Münchners.

Der letzte Trick gewann: Titas Stremavicius. | Foto: Sandra Schmidt

Titas Stremavicius hatte sich mit den schwarzen Steinen schon nach 22 Zügen gegen Jacek Stopa ein Endspiel mit Mehrqualität erkämpft, aber auf Kosten einer ruinierten Struktur. Fünf Stunden lang waren die Remischancen des polnischen Großmeisters intakt. Dann entging ihm im 66. Zug der letzte Trick des Litauers, und nach 68 Zügen war die Messe gelesen. Das Los bescherte Stremavicius in der Vorschlussrunde eine weitere Schwarzpartie: gegen Dmitrij Kollars am ersten Brett, eine Art Revanche für Schacholympia, wo Kollars Team in der dritten Runde den Litauern überraschend unterlag.

Es sah überhaupt nicht danach aus, aber auch Elham Amar schaffte es, mit Dmitrij Kollars gleichzuziehen. | Foto: Sandra Schmidt

Dass Elham Amar sich unter den Spitzenreitern mit sechs Punkten einreihen würde, daran hat er ausgangs der Eröffnung wahrscheinlich selbst nicht geglaubt. Gegen den Schweizer FM Igor Schlegel stand der Norweger mit einem offenen König unter Beschuss denkbar schlecht, aber schaffte es erst einmal, alle unmittelbaren Drohungen abzuwehren. Der vermeintliche Gewinnzug des Schweizers, 34.Tdd3, hatte einen Haken, eine nicht offensichtliche Verteidigung, die das Geschehen in ein etwa ausgeglichenes Endspiel münden ließ. Dann passierte, was beim Schach oft passiert: Wahrscheinlich frustriert vom entglittenen Gewinn, entglitt dem Schweizer auch noch der halbe Punkt.

34.Tdd3 hätte die Partie gewonnen – gäbe es nicht die trickreiche Verteidigung 34…Df1+! 35.Kxa2 Df7! und Weiß kann Damentausch nicht ausweichen. Nach zB 36.Te3+ zieht der König mit Schachgebot aus dem Schach.

In der Gruppe der 18 Verfolger finden sich reihenweise Anwärter auf Alters- und Ratingpreise sowie den Frauenpreis. Schachtennis-Vizeweltmeister FM Alexander Gschiel aus Österreich etwa (der im Tennis etwa so gut ist wie im Schach) führt mit 5,5 Zählern die U18-Konkurrenz an.

Kampfgeist: Nach vier Niederlagen in Folge sicherte sich Atticus Nguyen Trung, Jahrgang 2015, an Brett 267 einen hübschen Sieg. Hier (Diagramm links) erspähte er den zugleich besten und sehr hübschen Zug Ta6!, für Schwarz der Anfang vom Ende. Ob er die wahrscheinlich kürzeste Bundesliga-Gewinnpartie jemals mit dem gleichen Motiv kannte?

In der U16 hat sich der auf GM-Norm-Kurs segelnde Marius Deuer nach seinem Siebtrundenremis gegen Kacper Piorun zwar um einen halben Punkt von seinem Dauerkonkurrenten Leonardo Costa abgesetzt, liegt aber gleichauf mit FM Zi Han Goh aus Singapur. Der 15-Jährige aus dem WM-Ausrichterland gilt als eines der größten Talente Singapurs. Trotz intensiver schulischer Verpflichtungen und einiger außerschulischer Aktivitäten will er Singapurs nächster Großmeister werden.

Auslosung der achten Runde: (v.l.) Gerhard Bertagnolli, Sandra Schmidt, Sebastian Siebrecht, Ralph Alt. | Foto: Steffen Piechot

In seiner Heimat sorgte Zi Han Goh im Lauf des Jahres 2022 für Aufsehen, als er nach dem russischen Überfall auf die Ukraine durch Schachunterricht und Simultanvorstellungen Geld für ukrainische Flüchtlinge sammelte. Die Idee war ihm gekommen, weil er bis dahin wöchentlich mit dem ukrainischen Großmeister Yuri Vovk trainiert hatte. 13.000 Dollar kamen zusammen. „Beim Schach geht es für nicht nur ums Gewinnen und darum, mein Rating zu verbessen. Ich benutze es auch, um der Gesellschaft zurückzugeben“, erklärte Goh in einem TV-Interview.

Für Zi Han Goh lief es gegen Tobias Ammon gar nicht gut, aber dann ließ sich Schwarz auf eine taktische Sequenz ein, in der er wahrscheinlich die weiße Pointe 25.Df3! mit Figurengewinn übersehen hatte.

In der U2400-Klasse stand FM Ulrich Weber vom SV Hofheim während der siebten Runde kurz davor, sich ein wenig von den Mitbewerbern abzusetzen. Der Zweitligaspieler zwang der kasachischen Nummer eins Rinat Jumabayev eine lange Verteidigungsschlacht auf, die der Großmeister letztlich erfolgreich absolvierte.

Nicht glücklich mit seiner Stellung: Rinat Jumabayev musste seine ganze Klasse abrufen, um gegen Ulrich Weber den halben Punkt zu retten. | Foto: Sandra Schmidt

Im Kampf um den Frauenpreis hat Yelyzaveta Hrebenshchykova mit 5,5 Zählern die alleinige Führung übernommen. Die Ukrainerin gewann glatt gegen CM Jonas Rempe, der kein Mittel gegen den Sizilianer seiner Gegenspielerin fand.

Yelyzaveta Hrebenshchykova führt nach sieben Runden die umkämpfte Frauenkonkurrenz an. | Foto: Sandra Schmidt